Augenschmauss und Hörgenuss
17.07.2005 | Veronika Krull | Allgäuer Anzeigeblatt
Fischen | Wer für alle Fälle einen Schirm eingepackt hatte, war froh ob dieser Weitsicht. Denn das Utensil konnte man beim 17. Bezirksmusikfest zum 175. Geburtstag der Musikkapelle Fischen wahrlich gut gebrauchen. Wegen der Sonne! Dennoch bewiesen an diesem Tag die Musikkapellen aus Bolsterlang und Schöllang ein erstaunliches Stehvermögen: Sie waren gemeinsam mit der Musikkapelle Altstädten und den Böllerschützen schon in aller Herrgottsfrüh zum "Weckruf" angetreten und hatten sich bereit erklärt, nach Chor und Umzug auch noch beim Straßenfest aufzuspielen. Doch von den Strapazen dieses Mammutprogrammes zeugten später allenfalls ein verstohlenes Gähnen oder ein stöhnender Griff unter das iwößperlengesäumten Pony.
Mit einem Kirchenzug war gut drei Stunden nach dem "Weckspiel" um sechs das Programm auch für Normalaufsteher eröffnet worden. die sich zum Festgottesdienst und anschließend zum Frühschoppen im Kurpark trafen. Um 13 Uhr versammelten sich dann auf dem Anger rund tausend Musiker aus 30 Kapellen des Bezirks Sonthofen im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM) von Aach bis Wertach.
Mit dabei ein Gast aus Springfield, USA: die "135th Army Band", die dank ihres vor alpenländischer Kleiderkulisse "auffalligen" Outfits - pastellgrüne Hemden und flotte Käppis - zum begehrten Foto-Objekt wurden. Wobei die Amerikaner ihrerseits eifrig den Dirigenten-"Hochsitz" erklommen, um geschwind vor dem Start noch das überwältigende Bild der musikalischen Heerschar einzufangen. "Jedes Dörfchen mit einer eigenen Musikkapelle", staunte denn auch Trude Blönigen aus Köln. Sie macht derzeit - nicht zum ersten Mal - Urlaub in Fischen und freute sich über die vielen Spieler in ihren adretten Trachten:
"Das brauche ich, wenn ich in diese Region komme" So wie ihr ging's offensichtlich auch vielen anderen Gästen, die sich, bewaffnet mit Foto- und.Videokameras, auf dem Platz und später an den Straßen drängten und einen Blick auf die rund 50 teilnehmenden Gruppen zu erhaschen.
Da kamen nicht nur die Feuerwehrler in historischen Uniformen mit goldblitzendem Helm auf den alten rot öder hellblau lackierten Spritzenwagen angerollt, sondern auch Mitglieder des Heimathauses Fischen, fein herausgeputzt, in historischen blumengeschmückten Kutschen. Einen Extra-Beifall bekamen die fußballspielenden Buben vom TSV und der jüngste Fischinger Skinachwuchs auf Inline-Skates. Besonderes Augenmerk erregte der Trachtenverein "D'Holzar" aus Fischen, der in seinen farbenfrohen historischen Gewändern aufmarschierte - mit goldenen Radhauben und schwarzplissierten Röcken die Damen, mit schwarzem Dreispitz und geknöpftem Gehrock die Herren. Und dann hieß es "Bühne frei" an vier Plätzen im Dorf, das sich zum Blasmusik-Straßenfest in einen Open-Air-Konzertsaal verwandelte, in dem 15 Kapellen Blasmusik vom Feinsten boten - nonstop bis in die Nacht. Vielen Zuhörern erschienen sie schon als alte Bekannte - hatten sich doch rund 30 Kapellen des Bezirks bereit erklärt, zum "Fischinger Jahr, der Blasmusik" in der Zeit von Mai bis Oktober jeden Freitagabend zu einem Bezirkskonzert und jeden Sonntagmorgen zu einem Blasmusik-Frühschoppen anzutreten.
Mit einem so positiven Echo, hatte Schirmherr und Bürgermeister Edgar Rölz zuvor gelobt, dass man diese außergewöhnliche "Konzertreihe" im nächsten Jahr gern fortsetzen wolle.
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