Hohe bläserische Klangkultur

04.12.2006| Dr. K. Gradl | Allgäuer Anzeigeblatt | Oberallgäu-Kultur
Fischen | Der mächtige Klangraum großer Kirchen bietet vor allem den Interpreten sinfonischer Musik immer wieder Gelegenheit, orchestralen Glanz mit der Aura religiöser Andacht in Beziehung zu setzen. Auch das Konzert der Musikkapelle Fischen in der heimischen Pfarrkirche St. Verena vermittelte den Zuhörern diesen Eindruck.
Mit einem sorgfältig ausgewählten Programm sollte von verschiedenen musikalischen Seiten her auf die Adventszeit eingestimmt werden - ein Vorhaben, das überzeugend gelang. Hohe bläserische Klangkultur prägte schon die Darbietung des ersten Werks, „Andante Festivo" von Jean Sibelius; eindringlich entfaltete sich der hymnisch-abgeklärte Charakter dieser tief empfundenen Musik von Takt zu Takt.
Nicht weniger intensiv gestalteten Johannes Möller und seine Musiker das bekannte Choralvorspiel „Jesus bleibet meine Freude"; zum Tragen kam hier insbesondere die religiöse, verinnerlichte Dimension der Bachschen Musik. Für Bach wie auch für Anton Bruckner war, wie der Dirigent erklärte, das Bestreben charakteristisch, der persönlichen Glaubenshaltung im künstlerischen Werk einen angemessenen Ausdruck verleihen zu können.
Dies galt auch für Leon Boellmann, dessen imposante OrgelToccata aus seiner „Suite Gothique", vorgestellt in einer wirkungsvollen Bearbeitung für Blasorchester von Frank Bemaerts, den Kirchenraum erfüllte und etwas von der kraftvollen Macht des Glaubens erspüren ließ.
Auf sanftere Wege wurden die Zuhörer anschließend mit dem „St. Florian Choral" von Thomas Doss geführt, einem kantablen, eingängigen Stück, das den im Titel enthaltenen Bezug zu Anton Bruckner allerdings nicht spürbar werden lässt.
Mit „Mandalen Landscapes" von Philipp Sparkes entwickelten Dirigent und Orchester dann ein subtiles, farbig instrumentiertes Bild einer Winterlandschaft, mit dem auch der Bezug zur heimischen Landschaft hergestellt wurde.
Gleich zu Beginn des Konzerts ließen in Wettbewerben erfolgreiche Schüler der Bläserschule Fischen mit stilsicher und gekonnt vorgetragenen Darbietungen aufhorchen: Ein Blechbläserquartett intonierte einen Satz von G.Ph.Telemann, ein Klarinettentrio gestaltete drei Stücke von Dimitri Kabalewski. Anhaltender Beifall am Ende für alle Mitwirkenden.