Die Hexe und die Heilige setzen Maßstäbe

07.05.2008 | Dr. K. Gradl | Allgäuer Anzeigeblatt | Oberallgäu-Kultur
Fischen | Das Frühlingskonzert ist der alljährliche Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Musikkapelle Fischen. Hier vor allem geht es darum, Leistungsfähigkeit zu beweisen und unterschiedliche Erwartungshaltungen des Publikums - von der unterhaltenden bis zur konzertanten Darbietung - auf möglichst hohem Niveau zu erfüllen. Einmal mehr ließen Johannes Möller und seine Musiker auch an diesem Abend keine Wünsche offen. Dirigent und Kapelle präsentierten sich in bester Spiellaune, engagiert und auch mit jenem Mut zum Risiko, ohne den musikalische Spitzenleistungen nicht möglich sind. Musikalischer Prüfstein Konzertantes Hauptwerk und damit wichtigster musikalischer Prüfstein des Programms war Steven Reineckes „Die Hexe und die Heilige", eine Art sinfonische Dichtung für großes Blasorchester. Das originell instrumentierte, anspruchsvolle Werk ist die Vertonung einer tragischen Geschichte zweier Zwillingsschwestern. Spröde mittelalterliche Sequenz-Motive und weit ausschwingende romantische Melodik werden hier schroff gegeneinander gestellt, um den Gegensatz von äußerer Macht und innerem Gefühl eindringlich zu beschreiben. Johannes Möller gelang eine spannungsgeladene, die dramatischen Zuspitzungen der Partitur überaus wirkungsvoll in Szene setzende Interpretation. Das Orchester folgte dabei seinen Impulsen aufmerksam, mit nicht nachlassender Konzentration, und bereitete den Zuhörern so ein Klangerlebnis besonderer Art.
Schon der eingangs gespielte „Florentiner Marsch" von Julius Fucik machte neugierig auf Kommendes. In „Schloss Orth" erzählt der Komponist Fritz Neuböck auf seine persönliche Art die Geschichte dieses populären österreichischen Schlosses; romantische Naturstimmungen wechseln hier mit lebhaften, die abwechslungsreiche Vergangenheit des Hauses musikalisch beleuchtenden Episoden. Entfaltet wurde ein abwechslungsreiches Panorama, in dem auch vokale Einlagen ihren Platz hatten und in dem am Ende das folkloristische Element dominieren durfte.

Vom "Florentiner Marsch" über konzertante Kompositionen bis zur Filmmusik: Die Musikkapelle Fischen erfüllt beim Frühlingskonzert im Fischinger Kurhaus Fiskina unterschiedliche Erwartungshaltungen Ihres Publikums auf hohem Niveau

Die zweite Programmhälfte begann mit einer prägnanten, rhythmisch straffen Darbietung der ganz und gar nicht russisch anmutenden Feodora-Ouvertüre, einem allein in der Blasmusik-Literatur noch gespielten Frühwerk von Tschaikowsky. Mehr slawisches Kolorit verströmte dagegen der Walzer „Der Weg zurück" von Ernst Mosch, einnehmend besonders durch die weiche Phrasierung des melancholischen Hauptthemas. Mit „Golden Hits" von James Last und dem dank seiner rhythmischen Originalität immer wieder faszinierenden Soundtrack zu „Die glorreichen Sieben" (von Elmer Bernstein) endete das offizielle Konzertprogramm, durch das Bruno Sauter wie immer mit viel Information, dezentem Humor und dichterischem Geschick geführt hatte. Dem anhaltend starken Beifall folgten schließlich mehrere Zugaben, darunter der Marsch „Arsenal" und, als nunmehr endgültiger Schlusspunkt, der „Marsch der Gladiatoren".

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