Tempramentvoller Start mit dem Banditen-Galopp

27.05.2009 | Veronika Krull | Allgäuer Anzeigeblatt | Oberallgäu-Kultur
Fischen | Der Einstand ist gelungen. Mit einer überaus bunten musikalischen Visitenkarte hat sich "Max", wie er bereits vertraulich genannt wird, als neuer Dirigent der Musikkapelle Fischen vorgestellt. Das 36. Frühjahrskonzert im Rahmen der Fischinger Kulturzeit bildete die Kulisse für den Abschied von Johannes Möller und das Willkommen für Professor Maximilian Maria Jannetti. Während Möller, der nach knapp vier Jahren in Fischen nun ein Studium aufnehmen will, eher traditionell mit Marsch und Polka den Rückzug antrat, überraschte Jannetti, bisheriger Leiter der Musikkapelle Oberstdorf, mit dynamischen und kraftstrotzenden Stücken, die vom temperamentvollen "Banditen-Galopp" bis zum mitreißenden "Abba Gold" reichten.

"Alles erdenklich Gute" wünschte Gerhard Seidel, erster Vorsitzender des Musikvereins, dem scheidenden "Dirigenten, Lehrer, Musikkamerad und Freund". Als gemeinsames Geschenk von Kapelle, Bläserschule und Gemeinde erhielt der 31-Jährige die komplette Fischinger Musiktracht samt Joppe und Hut. Bereits eine Woche zuvor hatten die Kinder und Jugendlichen der Bläserschule Fischen dem musikalischen "Gärtner", der den Nachwuchs so sorgsam gehegt und gepflegt habe, diverse Pflanzen (inklusive Apfelbäumchen) sowie passendes Handwerkszeug überreicht.

Sein Nachfolger war von den Jungbläsern mit den passenden Sweatshirts in den Farben der Schule ausgestattet worden, bevor er von Möller die bordeauxrote Weste der Jugendkapelle übernahm. Eher unspektakulär verlief dann der eigentliche Täktstockwechsel beim Frühlingskonzert. Jannetti nutzte das neue "Führungsinstrument" gleich für einen fröhlichen Konzertmarsch von Strauß-Sohn Johann und eröffnete damit offiziell ein neues Kapitel in der 179-jährigen Geschichte der Musikkapelle. Neu waren auch die Konzertsprecher Andrea Lachmuth und Georg Greiner (beide Saxophon). Bruno Sauter, mehr als 20 Jahre lang Moderator, hatte es an der Zeit gefunden, "die Stimme des Ansagers zu verändern."

Aufmerksam und mit sichtlicher Spielfreude folgten die Musiker ihrem neuen Chef, ob er sie nun am
bewegten und fernöstlich angehauchten "Yangtze River", mit "Lawrence of Arabia" durch die flirrend heiße Wüste oder durch abwechslungsreiche polnische Landschaften führte. Auch die Konzertbesucher im ausverkauften Saal der Fiskina ließen sich willig mit auf die Reise nehmen, und so manches Bein wippte im Takt - nicht nur beim Konzertmarsch "Washington Grays", der zur Amtseinführung von Barack Obama und jetzt von Maximilian Jannetti gespielt wurde, sondern auch zu den unvergesslichen Ohrwürmern der schwedischen Popgruppe "Abba". Drei Zugaben waren fällig, Ehrenvorsitzender Karl Hautmann applaudierte stehend.

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