Viele Erfolge und eine mögliche "Optimierung"

11.04.2009 | Veronika Krull | Allgäuer Anzeigeblatt | Oberallgäu-Kultur
Fischen | In der mehr als 175-jährigen Geschichte des Musikvereins Fischen wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Knapp vier Jahre lang war Johannes Möller (31, rechts) der musikalische Chef in dem Urlaubsort zwischen Iller und Hörnern. Nun will er an die Berufsakademie Heidenheim wechseln, um dort Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren.
Sein Nachfolger am Dirigentenpult wird Professor Maximilian Maria Jannetti (42), der dafür nach zwölf Jahren die Leitung der Musikkapelle Oberstdorf abgibt. Seine Tätigkeiten als Leiter der Jugendblaskapelle Sonthofen und der Stadtkapelle Marktoberdorf sowie am Staatlichen Konservatorium in Odessa bleiben von der neuen Aufgabe unberührt. Offizieller Stabwechsel in Fischen ist beim Frühjahrskonzert am 23. Mai.
Für den Aufbruch zu neuen Ufern gebe es mehrere Gründe, sagt Möller. „Ich möchte an mir und mit mir arbeiten", beschreibt er seinen neuen Lebensabschnitt. In den vergangenen Jahren sei er es gewesen, der Wissen vermittelt habe. Nun wolle er selber wieder in die Rolle des Lernenden schlüpfen. Und schon immer habe ihn neben der Musik die Technik fasziniert. Dankbar sei er für die „sehr lehrreiche" Zeit in Fischen, eine Zeit, die ihn sehr viel weiter gebracht habe in der persönlichen Entwicklung. Die Musik werde für ihn das zweite Standbein bleiben, versichert Möller, der sich in ein paar Jahren in einem „interessanten, abwechslungsreichen Beruf" und als Freizeittrompeter in einer Kapelle spielen sieht.
Jannetti dagegen scheint seinen Platz im Leben gefunden zu haben: „Ich habe kein Bedürfnis, was anderes zu machen", lächelt er. „Für mich fängt die Musik um ein Uhr an, und sie hört um 24 Uhr auf." Einziger „Ausgleich" sei für ihn das Lesen. Er interessiert sich für politisch-soziologische Themen und hat gerade den ostdeutschen Wirtschaftswissenschaftler Jürgen
Kuczynski entdeckt. Historische Romane sind sein zweites literarisches Steckenpferd. „Das beflügelt meine Phantasie", meint der Diplommusiker.
Den musikalischen Wechsel in die Nachbargemeinde möchte Jannetti als eine „ganz klare Entscheidung für Fischen und nicht gegen Oberstdorf' verstehen. Die Chefposition dort ist ausgeschrieben, die kommissarische Leitung übernimmt Thomas Eldracher, Dirigent der Jugendblaskapelle. Jannetti gibt offen zu, dass es ihm schwer falle, Oberstdorf zu verlassen, „weil ich doch menschlich und musikalisch sehr erfolgreich habe arbeiten können". Die Kapelle sei in einem „Topzustand", gemeinsam habe man „wahnsinnig viele Erfolge" erzielt.
Warum dann der Wechsel? Für Jannetti keine Frage: Die Fischinger haben seiner Meinung nach in den vergangenen zehn Jahren aus dem Nichts ein Ausbildungsmodell auf die Beine gestellt, das „beispielgebend" sei für andere Kapellen. Eine seiner Aufgaben werde darin bestehen, diese erfolgreiche Struktur weiterzuentwickeln.
Das Wichtigste an der Orchesterarbeit sei aber, „dass es immer schön klingt" - für Zuhörer und Musiker, ob beim Kurkonzert oder in der Kirche. Wenn man da an einigen grundlegenden Schräubchen drehe, dann lasse sich auch in Fischen der Klang noch optimieren: „Das Potenzial ist da", freut sich Jannetti.

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