1830 - 1900

Ein erster schriftlicher Beleg dafür, dass in Fischen Blasmusik regelmäßig erklungen ist, findet sich in den „Stiftungsrechnungen" der Katholischen Pfarrei St. Verena (Band 1809 - 1881) wo vermerkt ist, dass für die Mitwirkung der Musikkapelle an kirchlichen Festen und Gottesdiensten vom Jahr 1830 bis 1875 mit 11.- Gulden und vom Jahr 1876 bis 1881 mit 19.- Gulden jährlich bezahlt wurde.
Ein Hinweis von etwas kurioser Art findet sich in den Aufzeichnungen von Johann Georg Moser (Pfarrer in Fischen von 1813 - 1846), der unter dem Jahr 1837 berichtet: „Anton Schaufmann, Spielman [so nannte man damals einen Musikanten] von Maderhalm schlaf beym Hirschwirth in Sonthofen bey einem Stamperl Brandtwein unbemerkt auf immer ein 15. July." Möglicherweise war besagter Schaufmann ein Mitglied der Musikkapelle.

 

Das älteste Foto der Kapelle stammt aus der Zeit um 1875.

Dirigent war damals Josef Krautheim sen.

 

Die Revolution von 1848 hat, wie im ganzen Oberallgäu, auch in Fischen begeisterte Anhänger gefunden. Peter Markhart, der Gründer eines „Märzvereins", lud im Oktober die sog. Freikorps des oberen Illertales zu einem Bezirksfreikorpsfest in Fischen ein, wo neben politischen Reden auch die Musikkapellen aus Oberstdorf, Hindelang und Fischen für revolutionäre Stimmung sorgten. Ein Chronist, offensichtlich von der politischen Gegenseite, bezeichnete die Teilnehmer als „Lumpen", da bei diesem Fest „die Pfaffen als verlogen und die Religion als Volksverdummung erklärt" wurden. Auf die Zusammenarbeit mit dem damaligen Pfarrer Anton Kräh (1846 - 1854) und den Fischinger Musikern hatte diese Begebenheit offensichtlich keine Auswirkung, denn auch für 1848 ist ein Honorar von 11,- Gulden ausgewiesen.

Ein weiterer Hinweis auf musikalisches Wirken sind handgeschriebene Noten für Blasmusik aus dem Jahr 1850, verfasst von dem in Fischen tätigen Lehrer Ney und A. Steiner aus Untermühlegg. In einer alten Trommel entdeckte man ein vergilbtes Blatt mit dem Text: „Im Christmond 1864 hat Josef Anton Klein von Rubi für die Fischinger Musik diese Trommel gemacht."

Für die musikalische Umrahmung des Fronleichnamsfestes 1888 wurde den Bläsern laut Kirchenrechnung 24,- Mark ausbezahlt. Die Nachfolge des langjährigen Dirigenten Josef Krautheim trat Ende der 90er Jahre Nikolaus Bader („Schlosser") aus Fischen an. Bader war ein sehr vielseitiger Musiker, der nicht nur die Blaskapelle Fischen weiter ausbaute, sondern auch 62 Jahre als Kirchenmusiker an der Pfarrkirche St. Verena wirkte und Gründungsmitglied des Männergesangvereins Fischen war. Der Zeitraum um die Jahrhundertwende war gekennzeichnet von regelmäßiger Musiziertätigkeit. Unter seiner Leitung brachte die Kapelle bei einer Veteranenehrung am 27. September 1898 „in exaktesterweise durchgeführte Musikstücke" zu Gehör, wie in einem Protokoll der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Fischen zu lesen ist.

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© Georg Greiner