1900 - 1930

In einem Bericht über die Feier zum 50-jährigen Bestehen der »Mechanischen Weberei Fischen«, am 27. Juni 1909, findet sich die Anmerkung, dass „die Musikchöre von Fischen und Hindelang ausgezeichnet spielten."

 

Nikolaus Bader leitete die Musikkapelle Fischen um 1900

 

Nachdem aber das bläserische Musizieren in diesen Jahren doch etwas stagnierte, entschloss man sich 1913 zu einer Neuformation der Blaskapelle. Verbunden damit war eine erfolgreiche Sammlung zum Kauf von Instrumenten. So konnten allein durch das Spendenaufkommen im Ortsteil Langenwang ein Bass, ein Flügelhorn und ein Tenor-hörn angeschafft werden. Ausbilder und Dirigent war für kurze Zeit Ernst Mende, Musikmeister aus Burgberg. Dann übernahm der energische und zielbewußte Musikmeister Anton Sauter die Leitung. Der Name Sauter war von nun an untrennbar verbunden mit der Blasmusik in Fischen.

Am 2. Weihnachtsfeiertag 1914 konnte dann der erste offizielle Auftritt der neu formierten Blaskapelle im Gasthof »Löwen« erfolgen: „... der Saal war brechend voll und die Darbietungen wie Märsche, kleine Ouvertüren und Walzer wurden mit reichlich Beifall bedacht."

Der 1. Weltkrieg brachte auch in Fischen das musikalische Leben zum Erliegen. Erst nach Kriegsende war an eine Weiterführung zu denken. Im „Kriegstagebuch" des Fischinger Hauptlehrers Leopold Merk ist zu lesen: „Blechmusik-Kapelle in Fischen. Gründung Winter 1918 durch Schreinermeister Sauter mit 12 jungen Bläsern. Erstes Auftreten bei der Heimkehrerfeier. Damit hat Fischen für seine Feste eine gute Musikkapelle erhalten." Es handelte sich hier allerdings nicht um eine Gründung, sondern Anton Sauter gelang es, dank der Mitwirkung von Kriegsheimkehrern aus Fischen und den Nachbarorten Schöllang, Altstädten, Reichenbach, Obermaiselstein,
Kierwang und Westerhofen, erneut die Blaskapelle aufzubauen. So berichtet Merk weiter: „27. Februar 1919. Begrüßungsfeier der heimgekehrten Krieger. Auf dem Anger, wo die Veteranen aufgestellt sind, werden sie von den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, der Schuljugend und der Blechmusikgesellschaft abgeholt und in feierlichem Zuge zur Kirche geleitet... Nach der kirchlichen Feier folgt im Gasthaus zum Kreuz eine weltliche mit Ansprachen, Lieder- und Musikvorträgen, Deklamationen von Gedichten durch weißgekleidete Schulmädchen." Von einer weiteren Heimkehrerbegrüßung im Jahr 1920 im Gasthof »Kreuz« gibt es einen Bericht: „Mit viel Beifall dankten die Anwesenden im vollbesetzten Saal den Musikanten und ihrem Dirigenten. Das Bier floß reichlich, denn man hatte zwei Gründe zu feiern. Einmal war der Krieg zu Ende und zum anderen hatte Fischen wieder eine Blasmusik."
In einem Bericht vom 19. Juli 1921 über die Primizfeier des Michael Aniser in Fischen ist u.a. zu lesen: „...Um 6 Uhr früh bereits spielte die wohlgeschulte hiesige Blechmusikkapelle einige Stücke, die den reichsten Beifall fanden. ... Unter den mustergültigen Klängen der Kapelle Sauter und Gesangsvorträgen ging das schöne Fest rasch dem Ende zu."
Diese Lobeshymnen sind Indiz dafür, dass AntonSauter ausgezeichnete und gestrenge Ausbildungsarbeit leistete. Proben waren an jedem Samstag im Gasthof »Krone«, wobei schon damals striktes Rauchverbot herrschte. Man stattete sich nach und nach mit neuen Instrumenten und Notenmaterial aus, die Blasmusik erfuhr dadurch einen bisher nicht gekannten Aufschwung. Anton Sauter hatte sich aber nicht nur der Musikkapelle verschrieben, er leitete auch ca. 40 Jahre den Kirchenchor, war Gründungsmitglied des Männergesangvereins Fischen im Jahr 1906 und einige Jahre Vorstand und Dirigent desselben.

In den zwanziger und dreißiger Jahren stiegen die Anforderungen an die Kapelle und die Zahl der Auftritte stetig. Seit 1922 arbeitet die Blaskapelle mit dem schon damals sehr regen Trachtenverein ,,D' Holzar" zusammen, vor allem bei den Waldfesten. „Die Musikkapelle Fischen half uns auch diesen Tag zu verschönern und spielte stets in aufheiternder Weise", so ist zu lesen im Protokoll über das erste Waldfest am 23. Juli 1922. Bei hiesigen und auswärtigen Trachtenfesten - verbunden mit Preismusizieren - war und ist man ein stets gern gesehener Begleiter. Auch dem Veteranenverein und dem Turnverein stellte sich die Musikkapelle Fischen unter Anton Sauter stets bei den Jahrestagen und Sportfesten zur Verfügung. Unterhaltungskonzerte für Gäste waren eine willkommene Bereicherung des Urlaubsprogrammes.

 

Einweihung des Kriegerdenkmals am Anger in Fischen am 08.November 1925. "...saukalt, Schnee und Regen. Instrumente fast eingefroren..."

 

Nicht unerwähnt bleiben soll auch das sog. Trommlerkorps, das 1929 von dem Wagnermeister Josef Speiser gegründet wurde und bei öffentlichen Anlässen mit der Blaskapelle auftrat, lunge Fischinger Burschen waren es, die Speiser in seiner Werkstatt an der kleinen Trommel ausbildete: Willi Baur, Michael Burger, Hans Ess, josef Grünwald, Josef Gruber, Heini Lengger, Max Müller, Ernst Scholl, Hermann Schuler, Paul Speiser und Fritz Zimmerer. Vor allem an den Veteranentagen „schlug das jugendliche Trommlerkorps einen exakten Wirbel". Kriegsbedingt löste sich diese Gruppe 1941 auf. Dazu eine anekdotische Anmerkung: Auch in Oberstdorf gab es zu dieser Zeit einen Trommlerzug. Diesem wurde jedoch die Probentätigkeit wegen zu großer Lärmentwicklung vom Ortspolizisten verboten. Als Ausweg bot sich die Speiser'sche Werkstatt an, wo man, nach einem Fußmarsch über Langenwang, dann zweimal in der Woche probte.

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© Georg Greiner